Linkskongress des Bundesverbandes der Jusos vom 17.–19. Oktober 2014 in Erfurt

Gemein­sam mit Caner Kara­ca aus dem Kreis­ver­band Lübeck haben Vin­cent Bet­t­aque und Cal­vin Fromm als Schles­wig-Hol­stei­ner vom 17.–19. Okto­ber 2014 am Links­kon­gress in Erfurt teil­ge­nom­men.

Der Links­kon­gress des Bun­des­ver­ban­des der Jusos bie­tet jun­gen Genoss*innen eine Platt­form, um sich über aktu­el­le Ereig­nis­se und die The­men des All­tags aus­zu­tau­schen. Zwei Tage lang hat­ten die Drei die Mög­lich­keit, in einer alten Par­tei­schu­le der DDR-Par­tei SED unter dem Mot­to „#links­le­ben — Wie­viel WIR braucht das ICH?“ gemein­sam mit Exper­ten in Work­shops Ant­wor­ten auf Fra­gen nach der Zukunft unse­rer Gesell­schaft zu erör­tern.

 

Kurzstatement zum Linkskongress von Vincent

Ein inter­es­san­tes Wochen­en­de, fin­de ich. Neben den Work­shops haben wir auch abends in net­ter Gesell­schaft in der Erfur­ter Innen­stadt über die Kon­flik­te in Isra­el und Irak oder über die Gleich­stel­lung von Män­nern und Frau­en dis­ku­tiert.
Gefreut hat mich auch der pro­mi­nen­te Besuch, näm­lich von Ralf Steg­ner, der zusam­men mit einem Poli­tik­wis­sen­schaft­ler in einer Podi­ums­dis­kus­si­on über die Pro­ble­me lin­ker Frie­dens­po­li­tik gespro­chen hat. Fra­gen konn­ten sowohl wäh­rend der Dis­kus­si­on, als auch spä­ter gestellt wer­den, da Steg­ner eben­falls an der am Abend statt­ge­fun­den Kon­gress­par­ty teil­ge­nom­men hat.

 

Zu guter Letzt wur­de vom Bun­des­vor­stand der Jusos eine neue Kam­pa­gne vor­ge­stellt, die sich noch wei­ter mit dem The­ma die­ses Kon­gres­ses aus­ein­an­der­set­zen will und als Ziel die Ver­öf­fent­li­chung eines Buches zum guten lin­ken Leben hat. Natür­lich wer­den wir die­se Kam­pa­gne wei­ter­ver­fol­gen und sind auf das Buch gespannt.

Cal­vin hat­te die­ses Jahr die Mög­lich­keit an Jugend und Par­la­ment teil­zu­neh­men. Auf Ein­la­dung unse­rer Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Dr. Nina Scheer ging es für ein paar Tage nach Ber­lin. Wer mit Jugend und Par­la­ment nichts anfan­gen kann, für den gibt es hier die Vide­os des Par­la­ments­diens­tes des Bun­des­ta­ges zu Jugend und Par­la­ment 2014.

Wir freu­en uns beson­ders, dass Cal­vin neben der par­la­men­ta­ri­schen Arbeit noch die Zeit gefun­den hat uns einen klei­nen Bericht zu schrei­ben und ein paar Schnapp­schüs­se zu machen. Das wol­len wir euch natür­lich nicht vor­ent­hal­ten.

 

Das Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, das am 23. Mai sei­nen 65. Geburts­tag fei­ern konn­te, for­mu­liert:

Sie sind Ver­tre­ter des gan­zen Vol­kes, an Auf­trä­ge und Wei­sun­gen nicht gebun­den und nur ihrem Gewis­sen unter­wor­fen.” (Art. 38 Abs. 1).

So wer­den die Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges cha­rak­te­ri­siert. Wie sieht dies in der poli­ti­schen Pra­xis aus? Wie ist es, sogar selbst Abge­ord­ne­ter zu sein?

Vier Tage lang hat­ten 315 Jugend­li­che zwi­schen 16 und 20 Jah­ren vom 31. Mai bis zum 03. Juni das beson­de­re Pri­vi­leg, eben dies erfah­ren zu dür­fen. Ermög­licht wur­de dies für die Jugend­li­chen durch eine Aus­wahl von Abge­ord­ne­ten, wel­che jeweils einen jun­gen Men­schen in den Deut­schen Bun­des­tag ent­sand­ten.

Beim Plan­spiel galt es in die­ser Zeit, in ver­schie­de­ne fik­ti­ve Rol­len von Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges zu schlüp­fen, die, in Anleh­nung an die Frak­tio­nen der SPD, Bünd­nis 90/Die Grü­nen, CDU/CSU und Die Lin­ke, einem fik­ti­ven Äqui­va­lent zuge­lost wur­den. Dem­nach fan­den sich unter ande­rem also Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten in dem Pedant der CSU wie­der sowie Christ­de­mo­kra­tin­nen und Christ­de­mo­kra­ten in dem der Frak­ti­on Die Lin­ke und hat­ten ent­spre­chen­de Posi­tio­nen zu ver­tre­ten: eine Her­aus­for­de­rung son­der­glei­chen.

Die jun­gen Abge­ord­ne­ten auf Zeit debat­tier­ten kon­tro­vers über die Man­da­tie­rung eines Bun­des­wehr­ein­sat­zes in der fik­ti­ven Repu­blik Sahe­li­en, die Ein­füh­rung einer regel­mä­ßi­gen Über­prü­fung der Fahr­erlaub­nis bei älte­ren Ver­kehrs­teil­neh­me­rin­nen und Ver­kehrs­teil­neh­mern, die Ver­bes­se­rung der Trans­pa­renz und Kon­trol­le per­sön­li­cher Daten in digi­ta­len Medi­en und die Rege­lung des Aus­baus von Wind­kraft­an­la­gen an Land. Nach­dem der übli­che par­la­men­ta­ri­sche Weg über die Frak­tio­nen, Aus­schüs­se, Lan­des­grup­pen und Arbeits­grup­pen mit­hil­fe die­ser Ent­wür­fe simu­liert wur­de, bil­de­te letzt­end­lich die Sit­zung im Ple­nar­saal im Zusam­men­hang mit den drei Geset­zes­ent­wür­fen und dem einem Antrag den glor­rei­chen Abschluss. Dort mün­de­ten nun die Ent­wür­fe aus den Aus­schüs­sen, in denen ein­ge­hend Lösun­gen, Kom­pro­mis­se und Mehr­hei­ten dafür gesucht und gefun­den wer­den muss­ten.

Die gewon­ne­nen Ein­drü­cke konn­ten im Anschluss der Ple­nar­de­bat­te noch mit denen der Vor­sit­zen­den der Bun­des­tags­frak­tio­nen Tho­mas Opper­mann (SPD) und Anton Hof­rei­ter (Bünd­nis 90/Die Grü­nen) sowie den stell­ver­tre­ten­den Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den Dr. Diet­mar Bartsch (Die Lin­ke) und Nadi­ne Schön (CDU/CSU) ver­gli­chen wer­den. Eben­so konn­te die Poli­ti­ke­rin und konn­ten die Poli­ti­ker auf indi­vi­du­el­le Fra­gen ein­ge­hen. Unab­hän­gig von dem Besuch des Büros der Abge­ord­ne­ten, sta­chen in toto mit Abstand die inhalt­li­che Aus­schuss­ar­beit sowie das freie Bewe­gen in den Gebäu­de des Reichs­tags, des Paul-Löbe-Hau­ses und wei­te­ren, für die dies eben­so galt, her­aus. Mit der Simu­la­ti­on der Lesung von Geset­zen als „Abge­ord­ne­ter“ im Ple­nar­saal des Reichs­tags­ge­bäu­des fällt dies jedoch schwer zu ver­glei­chen. Das Kli­schee der fau­len Abge­ord­ne­ten konn­te sich, wie erwar­tet, nicht nur wider­legt wer­den, son­dern es ist viel­mehr beein­dru­ckend was Abge­ord­ne­te wie Dr. Nina Scheer für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land leis­ten.

Im Ide­al­fall einer leben­di­gen Demo­kra­tie bedarf es einer Par­ti­zi­pa­ti­on von mög­lichst vie­len Bür­ge­rin­nen und Bür­gern! Der Bun­des­tags­prä­si­dent Prof. Dr. Nor­bert Lam­mert kon­sta­tier­te in die­sem Sin­ne in sei­ner Abschluss­re­de von Jugend und Par­la­ment 2014:

„Par­tei­en sind offen­kun­dig und nach allen Umfra­gen, die es jetzt seit Jah­ren gibt, die unpo­pu­lärs­ten Insti­tu­tio­nen […] Ich sage manch­mal: Die ein­zi­ge Par­tei, mit der ich rund­um zufrie­den wäre, wür­de aus einem Mit­glied bestehen: mir. Schon wenn mei­ne Frau dazu­kä­me, wird es kompliziert.“(Norbert Lam­mert anläss­lich der Abschluss­re­de von Jugend und Par­la­ment 2014)

Nichts­des­to­trotz lie­ße sich eine funk­tio­nie­ren­de Demo­kra­tie ohne Par­tei­en nicht bau­en. Es stimmt froh, dass es jun­gen Men­schen ermög­licht wur­de, sich dies zu Her­zen neh­men. Demo­kra­tie durf­te nicht nur erlebt, sie durf­te an der Quel­le wirk­lich gelebt wer­den.

Abschlie­ßend gilt mein beson­de­rer Dank unse­rer Abge­ord­ne­ten Dr. Nina Scheer (SPD), auch weil sie nicht “nur” die­se sel­te­ne Chan­ce bot. Sie lud zudem noch in ihr Büro im Paul-Löbe-Haus ein, um einen Ein­druck von der Tätig­keit als Abge­ord­ne­te zu ver­mit­teln. Dort opfer­ten die Ange­stell­ten des Abge­ord­ne­ten­bü­ros eine Men­ge Zeit, um inten­siv auf mei­ne Fra­gen ein­ge­hen zu kön­nen. Auch den Mit­ar­bei­tern von Dr. Nina Scheer möch­te ich per­sön­lich mei­nen Dank dafür aus­zu­spre­chen, wie vor­bild­lich und enga­giert Nach­wuchs­ar­beit trotz des hohen Arbeits­pen­sums betrie­ben wird.

 

Wer jetzt Lust hat sich noch ein­mal ein­ge­hend mit Jugend und Par­la­ment aus­ein­an­der­zu­set­zen, dem emp­feh­len wir das Video zur 2. und 3. Lesung der Geset­zes­ent­wür­fe bei Jugend und Par­la­ment.