Politik hautnah im Deutschen Bundestag

Die poli­ti­sche Som­mer­pau­se nutz­ten die Jusos Her­zog­tum Lau­en­burg, um vom 18. August 2017 bis zum 20. August 2017 die Bun­des­haupt­stadt Ber­lin unsi­cher zu machen. „Neben unse­rer all­täg­li­chen poli­ti­schen Arbeit bie­ten wir als Jusos regel­mä­ßig die Mög­lich­keit, Poli­tik haut­nah zu erle­ben. Unse­re Ber­lin­fahr­ten als ein Bestand­teil davon brin­gen jun­ge Men­schen direkt mit den Zen­tren deut­scher Poli­tik in Kon­takt“, erläu­tert der Kreis­vor­sit­zen­de Cal­vin Fromm das Kon­zept.
Die zehn Teil­neh­mer der Fahrt besuch­ten an den drei Tagen nicht nur das Abge­ord­ne­ten­haus von Ber­lin, das Wil­ly-Brandt-Haus und den Deut­schen Bun­des­tag. Auch geschichts­träch­ti­ge poli­ti­sche Orte wie die Gedenk­stät­te Deut­scher Wider­stand und Topo­gra­phie des Ter­rors gehör­ten zum Pro­gramm. Als Herz­stück der Fahrt mach­ten die Jusos Her­zog­tum Lau­en­burg einen Abste­cher in den Regie­rungs­sitz: das Bun­des­kanz­ler­amt.

Im Abge­ord­ne­ten­haus von Ber­lin

Die Schü­le­rin San­dra Ber­nich nahm zum ers­ten Mal an der Fahrt teil­nahm und zieht als Fazit: „Nicht nur das gute Mit­ein­an­der macht die Fahrt aus, son­dern auch das Wis­sen, wel­ches man mit nach Hau­se nimmt. Es ist eine groß­ar­ti­ge Erfah­rung und noch grö­ße­re Berei­che­rung.“

Wer eben­falls ein­mal das poli­ti­sche Ber­lin erle­ben möch­te, kann sich per E-Mail an calvin.fromm@jusos-rz.de oder über die sozia­len Netz­wer­ke an die Jusos Her­zog­tum Lau­en­burg wen­den.

Vom 27. bis zum 30. Dezem­ber war es mal wie­der soweit. Der Cha­os Com­mu­ni­ca­ti­on Con­gress (CCC) öff­ne­te zum 33. Mal als 33c3 sei­ne Pfor­ten im Con­gress Cen­trum Ham­burg. Tau­sen­de Men­schen aus aller Welt, dar­un­ter Hacker, Wis­sen­schaft­ler, Akti­vis­ten und Hob­by­bast­ler, tausch­ten sich für vier Tage in Vor­trä­gen, Work­shops und „Hacker­spaces“ über ihre Arbeit aus und genos­sen eine Woh­fühl­at­mo­sphä­re, die in ihrer Art ver­mut­lich ein­zig­ar­tig ist. Auch Kin­der und Jugend­li­che wur­den im Rah­men des auf dem 33c3 statt­fin­den­den Jung­ha­cker­tags dazu ermun­tert, ihre ers­ten Schrit­te in der Modi­fi­zie­rung von Hard­ware und Soft­ware zu wagen.

Da sich der Con­gress mit jedem Jahr wach­sen­der Beliebt­heit erfreut, waren die­ses Jahr alle rund 12.000 ver­füg­ba­ren Tickets inner­halb weni­ger Minu­ten aus­ver­kauft. Zum ers­ten Mal gab es aller­dings auch kei­ne Tages­kas­se mehr, sodass alle Unglück­li­chen ohne Kar­te daher den Con­gress nur über den ange­bo­te­nen Live­stream ver­fol­gen konn­ten. Ist zwar fast genau­so infor­ma­tiv, aber nur halb so spa­ßig, wenn man nicht mit einer Mate in der Hand und ande­ren Erwach­se­nen im Bäl­le­bad über Netz­po­li­tik reden kann.

The­ma die­ses CCC war „Works For Me“ (zu deutsch: „Funk­tio­niert für mich“), eine Phra­se, die beson­ders in der IT ver­wen­det wird, um (zu Unrecht) dar­auf hin­zu­wei­sen, dass ein Pro­blem nicht bei einem selbst liegt. Die­se Atti­tü­de der man­geln­den Selbst­kri­tik woll­te der 33c3 bekämp­fen, indem er unse­re Lebens­wei­se und unse­re Umwelt hin­ter­frag­te und kon­struk­tiv berei­cher­te. Dazu gehör­te wie immer die Aus­ein­an­der­set­zung mit den von uns genutz­ten Tech­no­lo­gi­en, sei es per­sön­lich oder poli­tisch.

Foto: Thors­ten Schrö­der

Die The­men Snow­den und NSA sind immer noch aktu­ell wie eh und je und waren dem­entspre­chend auf dem Con­gress rege ver­tre­ten. Spä­tes­tens aber seit der Flücht­lings­kri­se und den Prä­si­dent­schafts­wah­len in den USA ist klar, dass die Pro­ble­me nicht immer so offen­sicht­lich sind. Schlag­wör­ter wie „post­fak­tisch“, „Fake-News“ und „Fil­ter-Bub­b­le“ präg­ten vie­le Vor­trä­ge des 33c3 und sind Vor­bo­ten einer Zukunft, in der Tat­sa­chen nur noch eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le spie­len. So erhal­ten zum Bei­spiel Nut­zer von sozia­len Netz­wer­ken schon jetzt fast aus­schließ­lich Inhal­te, die sich an ihrem Inter­es­se ori­en­tie­ren, egal ob die­se einen wah­ren Hin­ter­grund besitz­ten oder nicht. Hin­ter­fragt wird dies vom User zumeist nicht. Das Poten­ti­al der Aus­nut­zung ist groß.

HOAX­map soll den Fake-News das Hand­werk legen.

Die­ses Pro­pa­gie­ren von Lügen und Halb­wahr­hei­ten will gestoppt wer­den. Ein Pro­jekt, das dabei hel­fen soll, wur­de im Rah­men des Con­gress vor­ge­stellt und lau­tet HOAX­map. Die­ses gemein­nüt­zi­ges Pro­jekt sam­melt Gerüch­te aus deutsch­spra­chi­gen Län­dern, die sich nach­weis­lich als Lüge ent­puppt haben und gibt somit eine über­sicht­li­che Mög­lich­keit, ver­däch­ti­ge Posts auf Face­book & Co abzu­glei­chen.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt des 33c3 war die Raum­fahrt. The­men wie Gra­vi­ta­ti­ons­wel­len, Welt­raum­fahr­stüh­le, die Kolo­nia­li­se­rung von Mon­den und Pla­ne­ten, Quan­ten­phy­sik und vie­les mehr wur­de in sie­ben Vor­trä­gen sowohl dem Lai­en als auch dem Exper­ten näher gebracht. Dies zeigt, dass der CCC schon lan­ge nicht mehr nur eine Platt­form für Hacker ist, son­dern alles mög­li­che abdeckt, was unser Leben jetzt und in Zukunft bestim­men wird.

Alle Vor­trä­ge des 33c3 — dar­un­ter der Talk „Bon­sai Kit­ten waren mir lie­ber“ über HOAX­map — und der vor­he­ri­gen Con­gres­se sind in der Media­thek des CCC für jeden ein­seh­bar.

Wie jedes Jahr fand vom 25.11. bis zum 27.11. die Ver­an­stal­tung „Jugend im Land­tag“ im schles­wig-hol­stei­ni­schen Land­tag statt. Die­ses Jahr war es das drei­ßigs­te Mal. Ich, Jan­nes Flint, habe zusam­men mit San­dra Ber­nich, zwei Jusos aus dem Kreis Her­zog­tum Lau­en­burg, an der Ver­an­stal­tung teil­ge­nom­men. An dem lehr­rei­chen Wochen­en­de lern­te ich die Arbeits­wei­sen eines Par­la­men­tes und den poli­ti­schen All­tag eines Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten ken­nen. Dar­über hin­aus konn­te mich mit Poli­ti­kern aus­tau­schen.

 

„Bohren dicker Bretter“ in den Arbeitskreisen

Nach der Ankunft am Nach­mit­tag in der Jugend­her­ber­ge fuhr ich mit dem Auto zum Land­tag, wo die Ver­an­stal­tung am Abend anfing. Zuerst wur­den wir durch das Prä­si­di­um des letz­ten Jah­res begrüßt und es wur­de All­ge­mei­nes geklärt. Des Wei­te­ren wur­den die vor­her selbst­ver­fass­ten Anträ­ge in Arbeits­grup­pen ein­ge­teilt.

Die Arbeits­krei­se lau­te­ten:

  1. Ehren­amt, Sozia­les, Ener­gie, Umwelt;
  2. Aus­bil­dung, Arbeit, Wirt­schaft, Ver­kehr;
  3. Bil­dungs­sys­tem, Unter­richt, Schü­ler­be­för­de­rung und
  4. Inne­res, Recht, Medi­en.

Mei­ne im Vor­feld ein­ge­reich­ten Anträ­ge lan­de­ten im Arbeits­kreis „Aus­bil­dung, Arbeit, Wirt­schaft, Ver­kehr“ und im Arbeits­kreis „Bil­dungs­sys­tem, Unter­richt, Schü­ler­be­för­de­rung“. Anschlie­ßend fand ein poli­ti­sches Plan­spiel statt. Wir soll­ten uns in die poli­ti­sche Lage eines fik­ti­ven Ent­wick­lungs­lan­des hin­ein­ver­setz­ten und wur­den zufäl­lig in fünf Minis­te­ri­en ein­ge­teilt. Eine Grup­pe stell­te ein Pres­se­team dar. Ich kam in das Sozi­al­mi­nis­te­ri­um, wel­ches sich mit der größ­ten­teils mit der Gesund­heits­ver­sor­gung beschäf­ti­gen muss­te. Im Lau­fe des Abends soll­ten sich die jewei­li­gen Minis­te­ri­en auf eine gemein­sa­me Lösung eini­gen, wobei wei­te­re Ein­fluss­fak­to­ren dazu­ka­men. Im Sozi­al­mi­nis­te­ri­um herrsch­te Unklar­heit, was spä­ter zu hit­zi­gen Dis­kus­sio­nen kam. Am Ende einig­ten sich alle Minis­te­ri­en, außer dem Sozi­al­mi­nis­te­ri­um, auf eine Lösung. Das Plan­spiel ver­deut­lich­te, wie lang­wie­rig und schwie­rig poli­ti­sche Ent­schei­dung zu tref­fen sind, und stell­te die Grund­la­gen von der Arbeits­wei­se eines Minis­te­ri­um da.

 

Antrags- und Pressearbeit

Am zwei­ten Tag wur­den wir zuerst vom Land­tags­prä­si­den­ten Klaus Schlie begrüßt. Anschlie­ßend fand die Ein­tei­lung der Teil­neh­me­rin­nen in die vor­her fest­ge­leg­ten Arbeits­krei­se statt. Ich teil­te mich in den Arbeits­kreis „Bil­dungs­sys­tem, Unter­richt, Schü­ler­be­för­de­rung“ ein. In den Arbeits­krei­sen wur­den nun über die Anträ­ge dis­ku­tiert und Ände­run­gen vor­ge­nom­men. Neben den Jugend­li­chen befan­den sich auch Land­tags­ab­ge­ord­ne­te und Ver­tre­ter des Alten­par­la­ments in den Arbeits­krei­sen, die mit fun­die­ren­dem Fach­wis­sen die Arbeit unter­stüt­zen. Zwi­schen­zeit­lich hol­ten das Pres­se­team Jugend­li­che und Poli­ti­ker aus dem Arbeits­kreis, um bei­spiels­wei­se Inter­view zu füh­ren. Ich wur­de auf­grund mei­nes Antra­ges „Min­dest­lohn für Min­der­jäh­ri­ge“, wel­cher in Arbeits­kreis „Aus­bil­dung, Arbeit, Wirt­schaft, Ver­kehr“ bera­ten wur­de, auch her­aus­ge­pickt. Mir wur­den Fra­gen zu dem Antrag gestellt, wäh­rend ich gefilmt wur­de. Die Auf­nah­men sind im offi­zi­el­len Jugend im Land­tag 2016 Film zu sehen:

Die Arbeit in den Arbeits­krei­sen ist mei­ner Mei­nung nach rea­li­täts­nah, da durch Ände­rungs­an­trä­ge zur Geschäfts­ord­nung oder durch Frak­ti­ons­zwang alle Facet­ten betrach­tet wur­den. Am Ende wur­den die Anträ­ge nach Wich­tig­keit für die mor­gi­ge Ple­nar­de­bat­te sor­tiert.

Im Anschluss fand die Wahl eines neu­en Prä­si­di­ums statt, das die mor­gi­ge Ple­nar­de­bat­te lei­ten wird und bis zum nächs­ten Jahr im Amt bleibt. Danach wur­de mit den jugend­po­li­ti­schen Spre­chern der Land­tags­frak­tio­nen in klei­nen Grup­pen über poli­ti­sche The­men dis­ku­tiert. Das Tref­fen mit den Ver­tre­tern gefiel mir sehr gut, weil ich Anlie­gen anspre­chen konn­te, die mich per­sön­lich betref­fen.

 

Finale im Plenarsaal und Ausblick

Am letz­ten Tag fin­det die abschlie­ßen­de Ple­nar­de­bat­te statt. Für jeden Arbeits­kreis wur­den 90 Minu­ten zur Ver­fü­gung gestellt, wo sie die Anträ­ge vor­stell­ten und ver­such­ten zu über­zeu­gen. Es wur­de kon­tro­vers debat­tiert, wo sich die ver­schie­de­nen Mei­nun­gen irgend­wann her­aus­kris­tal­li­sier­ten. Ein wenig scha­de fand ich, dass sich für eini­ge Anträ­ge, wel­che ganz oben auf den Lis­ten stan­den, viel Zeit für Dis­kus­sio­nen genom­men wur­de, wobei am Ende kaum Zeit für die ande­ren übrig blieb und ohne Debat­te abge­stimmt wur­de. Die Ple­nar­sit­zung ende­te am frü­hen Sonn­tag­abend wor­auf ich mit vie­len neu­en Ein­drü­cken in Rich­tung Hei­mat auf­brach.

Die beschlos­se­nen Anträ­ge wer­den nun der Lan­des­re­gie­rung, den Land­tags­frak­tio­nen und den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten aus Schles­wig Hol­stein vor­ge­legt, wor­auf­hin sie nun Stel­lung bezie­hen kön­nen. Jugend im Land­tag kann zwar kei­ne Beschlüs­se befas­sen, aber Anre­gun­gen für bestimm­te poli­ti­sche The­men geben. Die Anträ­ge wer­den mög­li­cher­wei­se ver­än­dert und ein­ge­bracht. Beim Abschluss­tref­fen von Jugend im Land­tag 2016 wer­den die Stel­lung­nah­men dis­ku­tiert.

Zusam­men­fas­send war Jugend im Land­tag eine auf­schluss­rei­che Erfah­rung. Ich konn­te den ers­ten Ein­blick in die Arbeits­wei­se eines Par­la­men­tes erhal­ten und vie­le neue, auf­ge­schlos­se­ne Jugend­li­che aus ganz Schles­wig Hol­stein ken­nen­ler­nen. Zusätz­lich habe ich einen Auf­tritt im offi­zi­el­len Film, was mich auch stolz macht. Ich kann jedem die Ver­an­stal­tung nahe legen, wer sich für poli­ti­sche The­men inter­es­siert und auch mit­ent­schei­den möch­te. Ich hof­fe, dass ich nächs­tes Jahr wie­der teil­neh­men kann.

ÜBER DEN AUTOR

Jan­nes Flint ist seit Sep­tem­ber 2015 Mit­glied der SPD. Er ist Schü­ler in Mölln.

 

Am 19. August stand aber­mals die all­jähr­li­che Poli­ti­sche Bil­dungs­fahrt nach Ber­lin vor der Tür. Drei Tage lang besuch­ten wir das poli­ti­sche Herz der Bun­des­re­pu­blik, um gemein­sam in die Haupt­stadt ein­zu­tau­chen und Poli­tik zu erle­ben.

 

Ein Stück Heimat

 

Nach der Ankunft am Haupt­bahn­hof Ber­lins ver­schlug es uns zunächst in die Minis­ter­gär­ten. Dort besuch­ten wir, kaum aus dem ech­ten Nor­den ver­schwun­den, ein Stück alt­be­kann­te Hei­mat: Die Lan­des­ver­tre­tung Schles­wig-Hol­steins öff­ne­te für uns ihre Pfor­ten. Im Gespräch mit Harald Bun­ten, dem dor­ti­gen Refe­rats­lei­ter für Innen­po­li­tik, Sport, Städ­te­bau, Woh­nungs­we­sen, Raum­ord­nung und Ver­tei­di­gung tausch­ten wir uns über die Auf­ga­ben­be­rei­che der Lan­des­ver­tre­tung aus. Als Ver­tre­tung unse­res Bun­des­lan­des arbei­tet sie bei­spiels­wei­se dar­an, die schles­wig-hol­stei­ni­schen Inter­es­sen im Bun­des­rat ein­zu­brin­gen.

IMG_5056

Mit einer Fül­le an neu­en Infor­ma­tio­nen über die Mit­wir­kung Schles­wig-Hol­steins an der Gesetz­ge­bung des Bun­des aus­ge­stat­tet ging es für uns wei­ter zum Roten Rat­haus. In Beglei­tung einer Mit­ar­bei­te­rin, die uns die Geschich­te und Funk­ti­on des Hau­ses näher­brach­te, besich­tig­ten wir das his­to­ri­sche Gebäu­de und lie­ßen uns durch die Gän­ge des sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bür­ger­meis­ters Micha­el Mül­ler füh­ren. Zwei­fels­oh­ne sorg­te auch die anste­hen­de Wahl zum Abge­ord­ne­ten­haus Ber­lins für Gesprächs­stoff.

14086184_1207327955975190_3238155509620728749_o

Schnack mit Clara

 

Kaum hat­ten wir das Rat­haus ver­las­sen, wan­der­ten wir sogleich in den Bezirk Pan­kow, wo uns die stell­ver­tre­ten­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der SPD Ber­lin Dr. Cla­ra West mit Kaf­fee und Kek­sen erwar­te­te. Gemein­sam spra­chen wir mit ihr über rechts­po­pu­lis­ti­sche AfD in Ber­lin, die neu­ar­ti­gen Her­aus­for­de­run­gen für Poli­ti­ker im Zeit­al­ter der Poli­tik­ver­dros­sen­heit und die Unter­schie­de poli­ti­scher Struk­tu­ren zwi­schen Ber­lin und Schles­wig-Hol­stein, wo auch sie ursprüng­lich auf­ge­wach­sen ist. Poli­tik aus nächs­ter Nähe.

IMG_5102

Parlament & Partei

 

Am nächs­ten Tag stand anfangs ein Besuch in der par­la­ments­his­to­ri­schen Aus­stel­lung „Wege – Irr­we­ge – Umwe­ge“ des Deut­schen Bun­des­ta­ges auf dem Plan, wel­che im Deut­schen Dom Besu­chern zur Ver­fü­gung steht. Dort lie­ßen sich die Ursprün­ge der deut­schen Demo­kra­tie, von dem Ham­ba­cher Fest 1837 bis zur Ent­ste­hung des Grund­ge­set­zes 1949, in span­nen­den Aus­stel­lungs­räu­men inno­va­tiv erkun­den.

IMG_5175

Im Zen­trum der deut­schen Sozi­al­de­mo­kra­tie, dem Wil­ly-Brandt-Haus, tra­fen wir dann auf den kom­mis­sa­ri­schen Geschäfts­füh­rer des Bun­des­vor­stan­des der Jusos, Dani­el Choi­nov­ski. Mit ihm dis­ku­tier­ten wir über die poli­ti­sche Betei­li­gung jun­ger Men­schen und die der­zei­ti­gen the­ma­ti­schen Schwer­punk­te der Jusos. Er gewähr­te uns zudem einen ein­ma­li­gen Ein­blick: Nach einer aus­gie­bi­gen Füh­rung durch das Haus, über das im Foy­er eine gro­ße Wil­ly Brandt Sta­tue tag­ein und tag­aus wacht, durf­ten wir in den Sit­zungs­saal des Bun­des­vor­stan­des der SPD, dem Hel­mut-Schmidt-Saal, ein­tre­ten und den Aus­blick über den Dächern Ber­lins genie­ßen.

14107664_1208382555869730_4548168247974856930_o

Nach­dem wir sei­nem Abbild schon in der Par­tei­zen­tra­le der SPD begeg­ne­ten, bega­ben wir uns danach auch auf sei­ne his­to­ri­schen Spu­ren: Im Forum Wil­ly Brandt mach­ten wir uns einen Ein­druck von dem Ehr­furcht erwe­cken­den Leben Wil­ly Brandts. Von sei­nen ers­ten sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Schrit­ten über sein Enga­ge­ment gegen Nazis und das Wir­ken als Bun­des­kanz­ler prä­sen­tier­te sich uns der bezeich­nen­de geschicht­li­che Abdruck des ver­dien­ten Ehren­vor­sit­zen­den.

IMG_5214

Natür­lich durf­te auch der Ein­tritt in die Hal­len des Deut­schen Bun­des­ta­ges wäh­rend des dies­jäh­ri­gen Exkur­ses nicht feh­len. Die dor­ti­ge obli­ga­to­ri­sche Füh­rung und Prä­sen­ta­ti­on mach­te uns aber­mals mit den Grund­prin­zi­pi­en der deut­schen Poli­tik ver­traut und ver­mit­tel­te eine eben­so erkennt­nis­rei­che wie auch über­ra­schen­de Ansicht des All­tags unter­halb der popu­lä­ren, glä­ser­nen Kup­pel.

IMG_5239

IMG_5257

Historische Ein- und Ausblicke

 

Den Sonn­tag nutz­ten wir dann zunächst, um das Deut­sche His­to­ri­sche Muse­um zu besu­chen. In einem unge­ahnt anschau­li­chen Aus­maß konn­ten wir dort eine Zeit­rei­se in ver­gan­ge­ne Jahr­zehn­te unter­neh­men, die in Form von his­to­ri­schen Expo­na­ten und umfang­rei­chen Infor­ma­ti­ons­ta­feln dar­ge­stellt wur­den. Hier fand jeder sei­ne Platz, an dem er Inter­es­se an der Geschich­te Deutsch­lands erwe­cken konn­te.

14067730_1208946472480005_2101266421152761563_o

Den Abschluss der Fahrt bil­de­te dann der Auf­stieg zur Sie­ges­säu­le: Hier galt es zu bewei­sen, dass Jusos nicht nur poli­tisch fit auf den Bei­nen sind. Die 50 Meter, die es zu bewäl­ti­gen galt, konn­ten jedoch alle Teil­neh­mer glor­reich hin­ter sich brin­gen. Aus­ge­zahlt hat­ten sich die Mühen alle­mal: Die Höhe, die sich von der Aus­sichts­platt­form genie­ßen ließ, bot dem Auge einen gigan­ti­schen Aus­blick über den Tier­gar­ten hin­weg bis zu den Hori­zon­ten Ber­lins. Ein ein­ma­li­ger Schluss­punkt einer span­nen­den Fahrt, die mit müden, aber freu­di­gen Gesich­tern in der Bahn in Rich­tung Ham­burg ende­te.

Anläss­lich des Gedenk­ta­ges der Befrei­ung von Ausch­witz am 27. Janu­ar 1945 besuch­ten wir Jusos am ver­gan­ge­nen Sonn­tag die KZ-Gedenk­stät­te Neu­en­gam­me.
Das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, wel­ches berüch­tigt für sei­ne Klin­ker­pro­duk­ti­on war, bedeu­te­te für über 50.000 Men­schen den Tod. Das Gelän­de dien­te in der Nach­kriegs­zeit ab 1948 als Jugend­ge­fäng­nis und wur­de als sol­ches bis ins neue Jahr­tau­send betrie­ben. Seit Mai 2007 ist es nun der Öffent­lich­keit zugäng­lich und bie­tet als Gedenk­stät­te Inter­es­sier­ten die Mög­lich­keit, sich über sei­ne Geschich­te zu infor­mie­ren.

Ein Eindruck der Gräuel des Nationalsozialismus

Das alte Klin­ker­werk und die benach­bar­te ehe­ma­li­ge Ton­gru­be waren der Start­punkt unse­rer Füh­rung mit Rolf Flie­gner. Hier wur­de damals der Ton gewon­nen, wel­cher spä­ter in der Zie­ge­lei zu Klin­kern gebrannt wur­de. Einen Ein­blick in die har­ten Arbeits­be­din­gun­gen ver­mit­tel­ten die umste­hen­den, schwe­ren Loren, die zum Trans­port des Tons dien­ten und zur Zie­ge­lei geschafft wer­den muss­ten. Auf­grund des hohen Grund­was­ser­spie­gels behin­der­te das eisi­ge Was­ser die Gefan­ge­nen bei der Arbeit in der Gru­be und führ­te mit den all­ge­mein schlech­ten Lebens­be­din­gun­gen zu zahl­rei­chen Erkran­kun­gen und zur Schwä­chung der Arbei­ter. Um die pro­du­zier­ten Klin­ker ver­schif­fen zu kön­nen, wur­de ein toter Arm der Dove Elbe durch die Gefan­ge­nen in Hand­ar­beit schiff­bar gemacht und ein Hafen­be­cken geschaf­fen. Da in Ham­burg im Kriegs­ver­lauf immer mehr Wohn­raum zer­stört wur­de, wur­den Beton­plat­ten im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger pro­du­ziert, um schnell Woh­nun­gen zu bau­en. Eine die­ser Mus­ter­woh­nun­gen steht auch heu­te noch und kann besich­tigt wer­den.

Hier über­nahm der “Arbeits­kreis Kirch­li­che Gedenk­stät­ten­ar­beit” der Dia­ko­nie die Füh­rung und erläu­ter­te uns die Gefan­ge­nen­struk­tur, sowie die Orga­ni­sa­ti­on des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers. Danach ging es für uns wei­ter zu den Unter­kunfts­ba­ra­cken der Gefan­gen­gen. Heu­te zei­gen die durch Stein­wäl­le gekenn­zeich­ne­ten Flä­chen der Holz­ba­ra­cken, in denen statt der geplan­ten 400 Gefan­ge­nen bis zu 2000 Gefan­ge­ne pro Bara­cke leb­ten, die Lebens­um­stän­de der Men­schen. Ins­ge­samt waren hier bis zu 13.000 Men­schen auf engs­tem Raum unter­ge­bracht. Anschlie­ßend kamen wir zu dem viel­leicht bedrü­ckends­ten Teil der Füh­rung, dem „Arrest­bun­ker“. Die im Boden befind­li­chen Fun­da­men­te zei­gen die Grund­struk­tur der Gefäng­nis­zel­len, in denen eini­ge Gefan­ge­ne teils in Dun­kel­haft gehal­ten wur­den und ab 1942 mit Zyklon B, einem gas­för­mi­gen Ner­ven­gift, umge­bracht wur­den.
Als beson­ders bewe­gend emp­fand ich den Besuch des Hau­ses des Geden­kens. Die bekann­ten Namen der Opfer auf rie­si­gen Ban­nern auf­ge­lis­tet zu sehen und zu wis­sen, dass die­se Namen nur einen Bruch­teil aller Opfer aus­ma­chen, ver­ur­sacht ein ganz neu­es Gefühl der Trau­er und Beklom­men­heit.

 

Gedenken

Ein Ausdruck der Trauer

Zum Abschluss unse­res Besu­ches hat­ten wir die Gele­gen­heit Rosen am Mahn­mal nie­der­zu­le­gen. Dies gab jedem von uns die Mög­lich­keit, unse­ren Gefüh­len der Beklom­men­heit und Trau­er Aus­druck zu ver­lei­hen und den zahl­rei­chen Opfern des Natio­nal­so­zia­lis­mus zu geden­ken.
Für mich per­sön­lich war der Besuch sehr lehr­reich und bewe­gend und gab mir die erneu­te Bestä­ti­gung, wie wich­tig es auch heu­te noch ist, sich unse­rer Geschich­te und ihrer Aus­wir­kung bewusst zu machen, um das Gesche­he­ne nie­mals zu ver­ges­sen.

Mahnmal

Skulp­tur an der Ste­le beim Haus des Geden­kens