#FreitagsFragen an… Lucas Siemers

Siemers

In unse­rer Serie #Frei­tags­Fra­gen las­sen wir am Frei­tag jeweils Kreis­tags­kan­di­da­ten für die Kom­mu­nal­wahl am 06. Mai 2018 zu Wort kom­men. Die­ses Mal ist Lucas Sie­mers an der Rei­he und für die Jusos Her­zog­tum Lau­en­burg stellt Lucas Kelm die Fra­gen.

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Was hat dich dazu ver­an­lasst, dich poli­tisch zu enga­gie­ren?

SIEMERS: Das ist eine klas­si­sche Fra­ge, die man Poli­ti­kern stellt. Aber ich möch­te dar­auf eigent­lich nicht die klas­si­sche Ant­wort geben, nach dem Mot­to: „Weil ich etwas bewe­gen oder ver­än­dern möch­te.“. Das soll­te jeder Poli­ti­ker sowie­so wol­len.  

Ich las­se mich ungern bevor­mun­den und möch­te lie­ber die Ent­schei­dun­gen für mei­ne Gene­ra­ti­on, die Gesell­schaft und mich selbst in die Hand neh­men und las­se mir da nicht von „ver­meint­li­chen Exper­ten“ erzäh­len, was „gut für unse­re Gesell­schaft“ sein soll, wenn ich da ande­rer Ansicht bin.  

Radi­ka­le Umbrü­che im Sin­ne von: „ich wer­de alles anders machen“, will ich aber auch nicht pre­di­gen, den­noch muss sich der Staat wie­der mehr lösungs­ori­en­tiert den wirk­li­chen Pro­ble­men der Bür­ger zuwen­den und nicht neue hoch­pu­schen und schaf­fen, wo bis­her gar kei­ne waren.  

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Wor­über hät­test Du mit wel­chem Poli­ti­ker ger­ne gespro­chen?

SIEMERS: Da gibt es ziem­lich vie­le Poli­ti­ker und ziem­lich vie­le The­men, mit denen und wor­über ich ger­ne gespro­chen hät­te. Wenn ich mich da fest­le­gen müss­te, wür­de ich wohl am ehes­ten mit Napo­le­on Bona­par­te spre­chen wol­len. Für mich ist er eine der glo­rio­ses­ten und tra­gischs­ten Per­so­nen der Geschich­te. Er hat aus dem Nichts, durch viel Anstren­gung, Fleiß und Ent­schlos­sen­heit alles erreicht und muss­te sein gan­zes Leben, 24/7, wür­de man heu­te wohl sagen, dar­um kämp­fen es zu erhal­ten.  

Vor allem über zwei Facet­ten hät­te ich ger­ne inso­fern mit ihm spre­chen wol­len, als dass ich – zuge­ge­be­ner Maßen ein sehr theo­re­tisch phi­lo­so­phi­scher Ansatz – von ihm hät­te wis­sen wol­len, wor­in er die Auf­ga­be des Staa­tes sieht. Damit ich ein­schät­zen könn­te, ob der für ihn eher ein Mit­tel zum Zweck war, nach dem Mot­to: „Der Staat bin ich“, oder ob er den Staat und die Gesell­schaft immer noch über sich sah, ähn­lich wie Fried­rich der Gro­ße: „Ich bin der Die­ner des Staa­tes“. 

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Inwie­fern betrifft Dein poli­ti­sches Enga­ge­ment mein Leben im Kreis?

SIEMERS: Das kommt erst­mal dar­auf an, wo du wohnst. Das Leben der Wen­tor­fer und Wen­tor­fe­rin­nen betrifft mein Enga­ge­ment noch stär­ker, als im Rest des Krei­ses. Dort bin ich ja Par­tei­vor­sit­zen­der der SPD. Das heißt natür­lich, dass ich bei den meis­ten Ent­schei­dun­gen und damit eben auch, wie die SPD in der Gemein­de­ver­tre­tung abstimmt, ein wich­ti­ges Mit­spra­che­recht habe. Zuletzt habe ich z.B. stark dafür gewor­ben, dass wir drin­gend eine Sozi­al­raum­quo­te in Wen­torf brau­chen, um bezahl­ba­ren Wohn­raum zu schaf­fen, damit die jun­gen, wie alten Men­schen und Fami­li­en die Chan­ce bekom­men hier­zu­blei­ben. Vie­le kön­nen sich nach der Aus­bil­dung oder mit dem Ein­tritt in die Ren­te kei­ne Woh­nung mehr in Wen­torf leis­ten, geschwei­ge denn ein Haus kau­fen. Das betrifft erst­mal vom The­ma her alle, hat aber noch viel mehr Aus­wir­kun­gen als man denkt. Erst kürz­lich wies mich die Feu­er­wehr dar­auf hin, dass die Leu­te aus der Jugend­feu­er­wehr nicht hier blei­ben, weil sie kei­nen Wohn­raum fin­den. Damit fehlt der Nach­wuchs.  

Wenn du außer­halb Wen­torf wohnst, dann wird es schon schwie­ri­ger zu sagen, „genau da betrifft dich mein poli­ti­sches Enga­ge­ment.“. Das ist flä­chen­de­ckend. Z.B., wenn du nach Ham­burg möch­test und wie­der eine Stun­de auf den Bus war­ten musst oder wenn du eine gute Geschäfts­idee hast, aber nie­mand dir Geld geben will, um dich zu unter­stüt­zen oder wenn du sogar noch kei­nen Plan hast, was du beruf­lich machen möch­test und eine Jugend­be­rufs­agen­tur eine gute Mög­lich­keit wäre, um dir da zu hel­fen. Das sind alles Din­ge, die drin­gend ange­packt wer­den müss­ten und die es der­zeit noch nicht oder nicht aus­rei­chend gibt. Und damit zur Fra­ge: Wenn die SPD am 06. Mai 2018 die Wah­len hier im Kreis gewinnt, dann gäbe es sie bald und dann wür­dest du es kon­kret mer­ken, wo mein Enga­ge­ment dein Leben im Kreis betrifft.  

 

WIRTSCHAFT, FINANZEN UND VERKEHR

Quel­le: Pixabay

KELM FÜR DIE JUSOS: Gibt es einen The­ma, das dir beson­ders am Her­zen liegt?

SIEMERS: Ich bin zwar poli­tisch, im Beruf und im pri­va­ten viel­sei­tig inter­es­siert, aber im Poli­ti­schen lege ich den Schwer­punkt ganz klar auf Wirt­schafts-, Finanz-, und Ver­kehrs­po­li­tik.  

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Und war­um hast du die die­se Schwer­punk­te aus­ge­sucht?

SIEMERS: Bei der Wirt­schafts- und Finanz­po­li­tik ist es vor allem so, dass ich fest­ge­stellt habe: Beim Geld aus­ge­ben sind alle kaum zu hal­ten und jeder hat Ide­en, was man noch för­dern, sub­ven­tio­nie­ren und bezu­schus­sen kann. Dann wird dar­um gestrit­ten, wel­che Aus­ga­ben­kom­bi­na­ti­on davon am gerech­tes­ten ist. Ich fand es viel span­nen­der zu fra­gen, wie man die Mit­tel gerecht „besor­gen“ kann. Und wenn man sich dann mit der The­ma­tik rund um Finan­zen, Haus­halt und Steu­ern etc. beschäf­tigt hat, kommt man schnell zu dem Ergeb­nis, dass die­ses Res­sort beson­ders ein­fluss­reich ist und das kleins­te Ände­run­gen und Anpas­sun­gen gro­ße flä­chen­de­cken­de Aus­wir­kun­gen haben.  

Für mich hat sich auch ein ganz neu­es Emp­fin­den erge­ben, was wirk­lich gerecht ist. Oft höre ich dann immer, dass sich der Kreis in der Haus­halts­kon­so­li­die­rung, also einen erzwun­ge­nen Spar­kurs, befin­det und des­we­gen ja wenig zu machen sei. Das ist zwar rich­tig – und mit Geld aus­ge­ben ist da dann auch nicht so wahn­sin­nig viel, aber auch eine Haus­halts­kon­so­li­die­rung kann man fair gestal­ten. 

Bei er Ver­kehrs­po­li­tik ist es etwas anders. Da habe ich mich erst mit befasst, als bei uns im Ort die Linie 235 in ihrer Tak­tung und Rou­ten­füh­rung stark ein­ge­schränkt wur­de. Das hat mich und auch vie­le Bür­ger mas­siv gestört. Wen­torf leis­tet sich beim The­ma Ver­kehr nun wirk­lich kei­nen Luxus für 13.500 Ein­woh­ner. Wir haben kei­ne Bahn­sta­ti­on und streng genom­men nur die­se eine Bus­li­nie. Jahr­zehn­te war Wen­torf mit bes­ser Lini­en­füh­rung und häu­fi­ge­rer Tak­tung ange­schlos­sen und unse­re Ein­woh­ner­zahl ist seit dem Weg­zug der Bun­des­wehr um über 25% ange­stie­gen und dann soll die Ver­bin­dung mit dem einen Bus ver­rin­gert wer­den. Das kann kein Bür­ger ver­ste­hen. Da gibt es auch nichts zu ver­ste­hen – hier darf der Bür­ger mehr erwar­ten.

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Ist das The­ma Finan­zen nicht etwas tro­cken?

SIEMERS: Für man­che bestimmt. Für mich nicht. Dort wer­den die Wei­chen für das jewei­li­ge Jahr gestellt. Wenn die schon falsch lau­fen, ist der Rest nur noch Scha­dens­be­gren­zung.

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Aber sind die Wäh­ler mit den The­men dafür zu begeis­tern für Dich und die SPD zu stim­men?

SIEMERS: Das auf jeden Fall. Zuerst muss man ja auch sagen, dass ich ja nicht nur für die­se Berei­che, son­dern für das gesam­te SPD-Wahl­pro­gramm wer­be. Wir haben in den unter­schied­lichs­ten Berei­chen vie­le Exper­ten.  

Aber trotz­dem kann man gera­de damit die Wäh­ler begeis­tern. Trotz spru­deln­der Steu­er­ein­nah­men, die jeden Monat in der Tages­schau ver­kün­det wer­den, geht es dem Kreis und vie­len Kom­mu­nen rela­tiv schlecht, was die Finanz­la­ge angeht. Für vie­le wich­ti­ge Pro­jek­te und Inves­ti­tio­nen vor Ort fehlt das Geld.  

Dem Kreis geht es in die­sem Jahr aller­dings bes­ser als gedacht. Des­we­gen ist die Sen­kung der Kreis­um­la­ge unbe­dingt not­wen­dig gewe­sen. Das gibt den Kom­mu­nen etwas Luft. Dabei darf es aber nicht blei­ben. Wir müs­sen da dran blei­ben. Ganz vie­le Din­ge wer­den in den Städ­ten und Gemein­den ent­schie­den – hier ent­ste­hen die Kos­ten. Der Kreis darf sich nicht an die Ein­nah­men gewöh­nen, denn auch wenn er sei­ne Finanz­mit­tel aus den Gemein­den erhält, finan­zie­ren die sich wie­der über erhöh­te Steu­ern. Somit trifft es auch den Bür­ger, zumin­dest mit­tel­bar. Daher ist es ganz wich­tig zu schau­en, wie viel Geld der Kreis wirk­lich braucht und beim Rest die Kom­mu­nen zu ent­las­ten. Das hilft den Men­schen wirk­lich. Die Kom­mu­nen wer­den mehr Mit­tel zur Ver­fü­gung haben und kön­nen ent­we­der not­wen­di­ge Inves­ti­tio­nen durch­füh­ren, wie z.B. die Sanie­rung von Stra­ßen und Wegen, den Anbau einer Schu­le oder sie kön­nen auch mal zur Sen­kung der Steu­ern über­ge­hen.  

Beim The­ma Ver­kehr kann man sogar noch viel bes­ser sehen, was die Men­schen stört.  

Glück­li­cher­wei­se haben inzwi­schen rela­tiv vie­le Jusos in der Par­tei, die auch aktiv mit­ma­chen. Das sorgt aber immer für ein zen­tra­les Pro­blem: Wir müs­sen Räum­lich­kei­ten fin­den, die für alle zumut­bar erreich­bar sind. Und das auch mit öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln. Das ist in unse­rem Kreis lei­der gar nicht so ein­fach. Ver­such mal einen JUSO aus Rat­ze­burg und Wen­torf bei Ham­burg an einen zumut­ba­ren Ort zusam­men­zu­brin­gen.  

Man hat in den Städ­ten und Gemein­den das Pro­blem auch erkannt und ver­sucht immer wie­der hier noch eine Sta­ti­on mehr und dann macht der Bus dort noch eine Schlen­ker in die­se Stra­ße, aber es wäre drin­gend nötig zu schau­en: von wo nach wo lau­fen die Strö­me, ers­tens in den Gemein­den und Städ­ten und dann zwei­tens zwi­schen den Städ­ten und Gemein­den. Anschlie­ßend muss man ein umfas­sen­des neu­es Ver­kehrs­kon­zept auf­le­gen und den ÖPNV über­pla­nen. Nur so kann der Kreis auch die jun­gen Men­schen hier hal­ten, die nach der Schu­le in Ham­burg, Lübeck usw. stu­die­ren wol­len.  

In einem Flä­chen­kreis wie unser nun mal einer ist, ist eine gute ÖPNV Aus­stat­tung inner­halb des Krei­ses, aber auch nach Ham­burg und Lübeck über­le­bens­wich­tig. Wir dür­fen da nicht durch Nichts­tun abge­hängt wer­den. 

 

KELM FÜR DIE JUSOS: Ist der Kreis mit Schwar­zen­bek und Büchen, die eine Bahn­an­bin­dung nach Ham­burg haben, nicht eigent­lich rela­tiv gut auf­ge­stellt?

SIEMERS: Ja, das kann man so sehen. Der Anspruch, den die Bür­ger aber an ihren Kreis stel­len dür­fen ist nicht rela­tiv okay zu sein, son­dern rich­tig gut zu sein. Und da hat der Kreis Nach­hol­be­darf. Der letz­te Kreis­tag hät­te da viel mehr tun müs­sen. Auch mit knap­pen Kas­sen. Wenn man in die Stra­ßen, Wege und den ÖPNV inves­tiert, dann inves­tiert man in die Wirt­schaft und die Zukunft des Krei­ses. Wenn man sich mit den Men­schen, Ver­ei­nen, Ver­bän­den und Orga­ni­sa­tio­nen im Kreis unter­hält, dann wird einem immer wie­der erzählt, dass sie die Men­schen hier nicht hal­ten kön­nen, weil sie ent­we­der kei­ne bezahl­ba­ren Wohn­raum fin­den oder weil sie wegen der schlech­ten Anbin­dung nicht in Ham­burg stu­die­ren und hier woh­nen kön­nen. Der Kreis schafft es nicht, zen­tra­le Orte mit soli­der Anbin­dung an die Groß­stadt zu bil­den und gleich­zei­tig die umlie­gen­den Gemein­den und Dör­fer ent­spre­chend an die­se zen­tra­len Orte anzu­bin­den. Das sind ver­pass­te Chan­cen für unse­ren Kreis.  

 

TAG DER ENTSCHEIDUNG

KELM FÜR DIE JUSOS: Zuletzt noch die Fra­ge, ob du glaubst, dass die SPD am sechs­ten Mai die Kom­mu­nal­wahl gewinnt, wenn man auf die aktu­el­len Umfra­gen im Bund schaut?

SIEMERS: Ja. Da bin ich ganz sicher. Im Kreis gibt es vie­le Pro­ble­me die drin­gend bear­bei­tet wer­den müs­sen. Und die Mehr­heit aus CDU und FDP hat es die letz­ten Jah­re nicht hin­be­kom­men eine Wen­de für unse­ren Kreis ein­zu­lei­ten. Dort tre­ten haupt­säch­lich wie­der die­sel­ben Kan­di­da­ten an. Also war­um soll­te es die nächs­ten fünf Jah­re anders sein? Die SPD bie­tet vier neue, dyna­mi­sche, jun­ge und kom­pe­ten­te Kan­di­da­ten, quer durch den Kreis an. Wer will, dass die Pro­ble­me im Kreis end­lich ange­packt wer­den und wer den Kreis end­lich nach vor­ne brin­gen will, der muss die­sen Kan­di­da­ten am sechs­ten Mai sei­ne Stim­me geben.  

Ein­stein defi­nier­te Wahn­sinn mal so: Immer das Glei­che tun und ande­re Ergeb­nis­se erwar­ten. Hier gilt das glei­che. Die Poli­tik der CDU und FDP wird sich nicht ändern und damit wird sich im Kreis nichts ändern.

 

HINWEIS: Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu inhalt­li­chen For­de­run­gen erhal­ten Sie hier. Alter­na­tiv kön­nen Sie sich ger­ne auch per­sön­lich bei uns mel­den. Wir freu­en uns.

Calvin Fromm

Stu­dent der Rechts­wis­sen­schaft, Juso-Kreis­vor­sit­zen­der, stellv. Vor­sit­zen­der des Sozi­al- und Kul­tur­aus­schus­ses sowie stellv. Mit­glied im Finanz­aus­schuss der Stadt Schwar­zen­bek, stell­ver­tre­ten­des Mit­glied im Jugend­hil­fe­aus­schuss des Krei­ses Her­zog­tum Lau­en­burg und Juso-Ver­tre­ter im SPD-Kreis­vor­stand

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