Elphi hier, Elphi da, Elphi wunderbar!

Klangpalast Elbphilharmonie – Elphi eben

„Feels like water, sweet like honey“ – so beschreibt Júníus Meyvant zwar niederfallenden Hagel, aber er könnte damit auch gut und gerne die Elbphilharmonie, kurz: Elphi, gemeint haben. Wer schon einmal dort war, weiß, was ich meine: Trotz der Wuchtigkeit des Unterbaus verströmt die Elbphilharmonie als Gebäude doch die Leichtigkeit des Wassers, das sie umgibt. Und wenn man erstmal im Großen Saal Platz genommen hat, die ersten Töne vernimmt, dann hört es sich wie Balsam für die Ohren an – unabhängig davon, ob man nun feine Nuancen unterscheiden kann oder nicht. Ich kann bspw. nicht sagen, ob die Sitzbezüge verklebt sind oder nicht (sie sind tatsächlich verklebt und tragen damit auch zum Klangerlebnis bei – so they say). So weit, so bekannt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, und so haben sich nicht nur die Zeitungen mit ihren Lobpreisungen überschlagen. Alle Kritik schien vergessen, das Ergebnis rechtfertige im Nachhinein die vorangegangenen Querelen. Endlich ist man Weltstadt!

Ein besonderes Publikum

Am 11. Februar war also auch ich in der Elbphilharmonie, ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, und habe mir im Rahmen des Into Iceland-Festivals um kurz vor Mitternacht Júníus Meyvant angehört. Allein, dass meine Schwester dafür noch Karten bekommen hat, grenzt an ein Wunder. Noch immer reißt der Strom an Zuschauern nicht ab. Genau hier bahnt sich leider ein Problem an: Präsentiert von N-JOY, haben wir ein deutlich jüngeres Publikum erwartet. Unsere Erwartungen wurden allerdings nicht erfüllt, im Gegenteil: Es hätte auch eine klassische Oper sein können, das Publikum wäre ähnlich gewesen. Das ist nicht per se schlecht, es kann sogar sehr positiv sein, wenn sich die ältere Generation mit ihr vielleicht unbekannter Musik auseinandersetzt. Die Tatsache, dass viele allerdings gelangweilt aussahen und in Teilen auch schon vor dem Ende des Konzerts den Saal verließen, spricht vielmehr dafür, dass hier vermutlich die Motivation im Vordergrund stand, mal da gewesen zu sein, egal bei wem: Hauptsache Elphi! Das ist schade, wird es doch weder dem Künstler, noch dem Haus gerecht. Das hat aber auch einen anderen Nebeneffekt: Anscheinend kommen auch eher der Klassik ferne Besucher (dem Klischee entsprechend bestimmt jede Menge junge Menschen) in die Elbphilharmonie, die dann nicht mit der gepflegten Konzert-Kultur vertraut sind und einfach klatschen, wie es ihnen gefällt! Skandal! Es funktioniert also in beide Richtungen: Ein neuer Kultur-Bau bekommt eine neue Kultur. Wo die Grenzen der Klangtechnik durchbrochen werden, werden auch die kulturellen Gesetze auf eine erfrischende Weise gebrochen.

Elphis vor Ort

Aber Moment mal, braucht es nur etwas Neues, um die Massen anzulocken? Braucht es immer einen Elphi-Effekt, ein Projekt, auferstanden aus Ruinen, ein hässliches Entlein, das zum Schwan wird, um Menschen mit Kultur in Berührung zu bringen, sie davon zu begeistern? Auch wenn sich Vergleiche zu einem gewissen Martin Schulz und einer gewissen sozialdemokratischen Partei selbstverständlich verbieten, stellt man sich als politisch aktiver Mensch aus dem Hamburger Rand doch so seine bzw. ihre Fragen. Was ist eigentlich mit dem Kulturangebot vor Ort? Wieso wird das nicht so gut angenommen? Warum beklagt sich zum Beispiel das Elbkino in Lauenburg nicht über zu großen Besucherandrang? Die Frage wird sich nicht erschöpfend beantworten lassen, schon gar nicht im Rahmen dieses Beitrags, aber den lokalen Angeboten fehlt der Effekt. Was vor der eigenen Haustür ist, wird als gegeben und selbstverständlich an- und hingenommen. Dabei locken auch in der Heimat echte Schätze, die nur gehoben werden müssen. Sei es das Elbkino, sei es der Stadthauptmannshof oder das Kleine Theater Schiller-Straße: Sie alle (und noch andere Institutionen) bieten kulturelles Programm für jedermann, nur sind sie leider keine millionenschweren Prestigeprojekte, sondern liebevoll geführte Perlen der Kulturlandschaft im Herzogtum. Leider werden diese Perlen viel zu häufig von den Menschen vor Ort vor die Säue geworfen. Wenn das zu oft geschieht, hat man irgendwann keine Perlen mehr. Und dann hat man nur noch Häuser wie die Elphi, die aber nicht jeden und jede kulturell befriedigen können (von der Erreichbarkeit mal ganz zu schweigen). Meine Hoffnung ist, dass die vielen Besucherinnen und Besucher der Elbphilharmonie „angefixt“ werden und mehr wollen, dass sie dieses „mehr“ bei sich vor Ort, zuhause, finden. Dann profitiert nicht nur Hamburg von der Elbphilharmonie, dann profitieren alle – und im ganz besonderen Maße die kommunale Kulturlandschaft. Sie hätte es verdient. So wie auch die Elphi das verdient, was ihr momentan widerfährt.

 

Hinweis zum Abschluss

In diesem Jahr erarbeiten wir unser Jugendprogramm zur schleswig-holsteinischen Kommunalwahl 2018. Dies soll nicht im luftleeren Raum, sondern im Austausch mit den Menschen in unserem Kreis erfolgen. Unter dem Hashtag #genialkommunal2018 können die Bürgerinnen und Bürger im Kreis Herzogtum Lauenburg über Facebook, Twitter und Instagram mit uns in Verbindung treten und ihre Vorstellungen vorbringen. Daneben kann auch ‚klassisch‘ eine Nachricht bspw. per E-Mail an calvin.fromm@jusos-rz.de geschickt oder an der nächsten unserer so genannten ‚Ideenschmiede‘ zur Erarbeitung des Jugendwahlprogrammes teilgenommen werden. Die nächste Ideenschmiede findet beispielsweise am Freitag, den 17. März, um 19:00 Uhr im Mehrzweckraum des Büchener Bürgerhauses (Amtsplatz 1, 21514 Büchen) statt. Nähere Informationen folgen demnächst auf unserer Website und Anmeldungen sind vorher bitte an die oben genannte Adresse zu richten.

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